Mit Apps gesund werden: Start-up-Gründer Konstantin Mehl über die Digitalisierung der Gesundheitsbranche

Immer mehr Unternehmen entwickeln digitale Angebote rund um das Thema Gesundheit. So auch das Start-up von Konstantin Mehl. Mit seiner App Kaia Health hat er die sogenannte „multimodale Therapie“ für chronische Rückenschmerzpatienten digitalisiert. Wie Kaia funktioniert und wie sich das Gesundheitswesen durch digitale Angebote verändert, erklärt der Jungunternehmer im Interview.
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Foto: © bedya– stock.adobe.com

Online-Sprechstunden, Medikamente-Apps und digitale Physiotherapie: Die Digitalisierung der Gesundheitsbranche scheint in vollem Gange. Warum ist das aus deiner Sicht eine gute Sache?

Therapien werden durch die Digitalisierung leichter zugänglich. Viel mehr Leute können jetzt die richtige Behandlung bekommen, ohne ewig auf einen Termin warten zu müssen. Mit Kaia haben wir zum Beispiel eine Rückenschmerztherapie digitalisiert, zu der bislang nur fünf Prozent der chronischen Rückenschmerzpatienten Zugang hatten. Die anderen 95 Prozent sind durch das Gesundheitssystem getingelt und haben Therapien gemacht, die ihnen auf lange Sicht nicht helfen konnten. Durch die App ist das jetzt anders.

 

Was denkst du: Welche ärztlichen Leistungen wird eine App wohl nicht ersetzen können?

In vielen Fällen können Apps keine Diagnose stellen. Zum Beispiel wenn du Röntgenbilder brauchst. Das wird man in absehbarer Zeit nicht mit dem Smartphone machen können. Bei Hautkrankheiten gibt es zwar schon Apps, die anhand von Fotos Diagnosen stellen, doch das Fernbehandlungsverbot macht solche Verfahren in Deutschland noch schwierig. So langsam lockert sich das aber. Im Grunde geht es nicht darum, den Arzt zu ersetzen, sondern ihm eine einfache Möglichkeit zu geben, eine hilfreiche Therapie zu verschreiben.

Birgt es nicht auch Gefahren, wenn man sich selbst therapiert?

Die richtige Therapie sollte natürlich auch richtig ausgeführt werden. In unserer App wird der Krankheitsverlauf eines Patienten deshalb genau analysiert. Und wenn die digitale Therapie nicht ausreichen sollte, gibt die App sofort ein Signal, dass man wieder zum Arzt muss. Das heißt, der Patient bekommt mit Hilfe von Apps auch ein stärkeres Bewusstsein für seinen eigenen körperlichen Zustand.   

 

Was sind die Vorteile einer digitalen Therapie gegenüber einer klassischen? Kann eine App diese ersetzen?

Ein wichtiger Vorteil ist, dass eine digitale Therapie wie unsere dazu motiviert, auch außerhalb von Behandlungsterminen aktiv etwas für die Gesundheit zu tun. Kaia ist darüber hinaus auch ein Begleiter für längere Zeit. Patienten mit chronischen Krankheiten haben oft jahrelang Beschwerden. Und die Therapien, die man in der offenen Medizin macht, sind zeitlich leider sehr beschränkt. Eine App ist zu jeder Zeit und quasi an jedem Ort nutzbar. Im Endeffekt bieten wir eine Ergänzung für die korrekte Behandlung von lang anhaltenden Krankheiten. Keinen Ersatz.

 

Wie lernt man die Übungen und wie trainiert man mit Kaia Health?

Bei der multimodalen Therapie gibt es die drei Teile Physio, Psycho und medizinisches Wissen. Im Bereich Physio lernt man mit Videos. Und bei neueren Smartphones kann man sogar die Handykamera verwenden, um sich in Echtzeit kontrollieren zu lassen. Im psychologischen Bereich gibt es zum Beispiel Atemübungen, die man einfach anhören kann und parallel mitmacht. Das medizinische Wissen gibt’s im Moment im Chatbot-Stil. Die App bietet also eine Ergänzung für die Dinge, die der Arzt in der Behandlungszeit nicht unterbringen kann.

Foto: Kaia Health
Foto: Kaia Health

Seit einigen Jahren versucht auch der Staat zum Beispiel mit dem E-Health-Gesetz die Digitalisierung im Gesundheitsbereich voranzutreiben. Was denkst du, wie entwickelt sich dieser Trend weiter?

Ich gehe zum Beispiel davon aus, dass es bald möglich sein wird, digitale Therapien rückzuerstatten. Derzeit sind wir auch Teil eines Projekts mit dem Klinikum „Rechts der Isar“ in München, in dem wir zeigen, dass Kaia einen sehr hohen Mehrwert für die Patienten hat. Und am Ende sind wir dann hoffentlich wie eine Tablette, die der Arzt verschreiben kann und deren Kosten selbstverständlich rückerstattet werden. Dahin muss eine App letztlich kommen, um wirklich Teil des Gesundheitssystems zu werden. Wenn man zulässt, dass digitale Therapien in der Regelversorgung sind, dann sind sie wirklich flächendeckend zugänglich und erstattbar. Ich denke auch, dass es in Zukunft immer mehr Apps geben wird, deren Ziel das Behandeln von Krankheiten ist.

 

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